Bernd Delbrügge Band

IST DAS JAZZ? BLUES? SOUL? FRAGEN, DIE KEINEM MUSIKER FREMD SIND. AUCH NICHT BERND DELBRÜGGE. AUF JEDEN FALL IST SEINE MUSIK DIE, DIE ER SELBST GERNE MORGENS UM ZWEI AM TRESEN SEINER LIEBLINGSBAR HÖREN MÖCHTE UND VERORTET SIE »IRGENDWO ZWISCHEN DUKE ELLINGTON, TOM WAITS UND CLÄRCHENS BALLHAUS«.

Bernd Delbrügge Band, Foto © Claudio Kalex

»Das Schlechte im Guten, das Gute im Schlechten«, besagt das Mephisto-Prinzip, dem wir die Musik von Bernd Delbrügge verdanken. Das Jahr 2020 brachte mehr als genug Zeit und Muße zum Komponieren – für einen viel beschäftigten Profimusiker sonst ein knappes Gut. Delbrügge verbrachte noch mehr Stunden mit dem Saxophon, ging raus in die Stadt, spielte unter Bahnbrücken und ließ sich auf seiner Lieblingsparkbank von der Muse küssen. Dort reiften auch die Ideen für sein Quartett, und schließlich stand die Band mit einem Dutzend eigener Titel im Tonstudio von Dirk Baldringer.

Bernd Delbrügge Band, Foto © Claudio Kalex

Digital war gestern! Die Aufnahmen für das Debütalbum der Bernd Delbrügge Band wurden ausschließlich auf analogem Weg mit Oldschool-Klangerzeugern realisiert. Zum Einsatz kamen u.a. originale Wurlitzer- und Fender-Rhodes-Pianos, die legendäre Hammond-B3-Orgel und ein akustischer Konzertflügel. Aufgezeichnet wurde mit einer AEG 2-Zoll 24-Spur-Bandmaschine aus den 70ern, und Delbrügges Telefunken-Mikrofon stammt aus dem Jahr 1963. Ringo Starr hat ein baugleiches Exemplar bei den Aufnahmen der Beatles benutzt. Delbrügge und seine Bandkollegen Gert Kapo (keys), Gero Gellert (bass) und Dirk Ferdinand (drums) verstehen sich prächtig auf das Anrichten von Grooves und kochen auch solistisch nicht auf kleiner Flamme. Für die vier Musiker gibt es keine musikalischen Grenzen. »il mio Topolino« könnte aus einem Fellini Film stammen, »fünf gerade lassen« erklingt in einem zappaesken 5/4-Takt, und zu »drunken man´s Boogaloo« nehmen wir den letzten Absacker an der Bar. 

Bernd Delbrügge Band, Foto © Claudio Kalex

Die Band spielte das komplette Album live im Studio ein, und das dabei praktizierte »retro« Aufnahmeverfahren liefert die klangliche Wärme und Komplexität, die ihrer Musik gerecht wird. Für Bernd Delbrügge ein Grund mehr, das Album adäquat auf Vinyl herauszubringen. Es erscheint im Frühjahr 2022 auf Westpark Music.

T.C. BOYLE Abend mit Gerd Köster.

Bernd Delbrügge Band & Gerd Köster, Foto © Silvia Lamprecht

Bernd Delbrügge und Gerd Köster teilen nicht nur musikalische Vorlieben. Sie sind auch beide erklärte Fans des US-amerikanischen Schriftstellers T.C. Boyle. Da liegt der Gedanke eines gemeinsamen T.C. Boyle Abends mit Musik und Lesung nahe. Gerd Köster liest aus „Drop City“, der herrlich durchgeknallten Story einer kalifornischen Hippie Kommune, die sich vom Marihuana beflügelt nach Alaska aufmacht, um dort die große Freiheit zu leben. Was natürlich nicht gut gehen kann. Sehr gut zusammen gehen allerdings die Grooves der Bernd Delbrügge Band und Gerd Kösters Vortrag. Musik und Lesung fusionieren an diesem Abend zu einem großartigen Hör- und Bühnenerlebnis. 

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"Kölns bekanntester Saxophonist" (Express)